„Man sollte kein Wasser schlucken.“

Begrüßung der Gäste und des Podiums, v.r.n.l. Dr. Lutz Neubauer, Hanso Janßen, Christian Meyer, MdL. Stehend: Jörg Thom (Foto: Ulf Berner)
Begrüßung der Gäste und des Podiums, v.r.n.l. Dr. Lutz Neubauer, Hanso Janßen, Christian Meyer, MdL. Stehend: Jörg Thom (Foto: Ulf Berner)

Wir hatten zu einer Podiumsdiskussion zum Thema ‚Multiresistente Keime in Badegewässern‘ in den  Museumskroog ‚Junker van der Spekken‘ eingeladen.

Christian Meyer, ehemaliger Landwirtschaftsminister und nun Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion für Naturschutz, Dr. Lutz Neubauer, Urologe i.R. und Ratsherr aus Lohne informierten und diskutierten mit ca. 60 Interessierten unter der kundigen Gesprächsleitung des ehemaligen Landtagsabgeordneten Hanso Janßen aus Jade.

Christian Meyer (MdL), Sprecher für Naturschutz u.a. (Foto: Peter Meiwald)

Christian Meyer (MdL), Sprecher für Naturschutz u.a. (Foto: Peter Meiwald)

Zum Hintergrund: Der NDR hatte mehrere bekannte Gewässer in Niedersachsen untersuchen lassen und war in allen, auch im Zwischenahner Meer, auf multiresistente Keime gestoßen.

Die zentrale Frage des Abends war ‚Wo kommen die Keime im Zwischenahner Meer her?‘ Neben Kläranlagen und Klinken würde schnell die Massentierhaltung und ihr exzessiver Gebrauch von Antibiotika als Verursacher ausgemacht. „Wenn eine Kuh krank ist bekommt sie ein Antibiotikum gespritzt. Wenn ein Huhn krank ist, bekommt der ganze Stall, zehntausende von Hühnern, das Mittel ins Wasser gemischt.“, so Christian Meyer. Dabei machten die Tierhalter und ihre Tierärzte nicht einmal mehr vor sog. ‚Reserve-Antibtiotika‘, die als letzte Maßnahme für den Menschen vorbehalten sind, halt, so Meyer weiter. Während seiner Amtszeit als Landwirtschaftsminister sei es gelungen den Verbrauch von Antibiotika um die Hälfte zu reduzieren. Dass sei aber nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Systemwechsel, weg von der Massentierhaltung, hin zu einer kleinteiligeren Produktionsweise, in der die Tiere auch nicht so leicht erkranken würden, so Meyer.

Dr. Neubauer erläuterte dem Publikum sehr anschaulich die Wirkung von resistenten Bakterien und die Konsequenzen der ausufernden Antibiotika-Nutzung, auch beim Menschen. „In der freien Natur hätten die resistenten Keime keine Chance, aber die Antibiotika-Gabe fördert diese Keime regelrecht.“, so Neubauer. „Die Weltgesundheitsorganisation WHO fürchte ein ‚post-antibiotisches Zeitalter‘, in dem keine Gegenmittel mehr wirksam seien.“, ergänzte Janßen das Schreckensszenario.

Das Publikum stellte die entscheidende Frage: ‚Ist das Baden im Zwischenahner Meer gefährlich?‘ „Wenn die Keimbelastung insgesamt nicht allzu hoch sei, sei die Wahrscheinlichkeit sich einen multiresistenten Keim einzufangen nicht allzu groß. Wenn man einen bekommt, hat man allerdings ein Problem.“, stellte Dr. Neubauer klar. „Man sollte kein Wasser schlucken, wie z.B. beim Aus-dem-Boot-fallen oder bei bestimmten Sportarten, wie Triathlon.“, so Neubauer.

Das ganze Problem der Massentierhaltung und der multiresistenten Keime auch aus der Humanmedizin sei letztlich ein politisches Thema, das dringend angegangen werden müsste, resümierte Meyer die Diskussion.

Jörg Thom (Kreisvorstandssprecher)

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