04.09.2018

Von: Bundestagsfraktion

Marktmacht von Digitalkonzernen: Altmaier ist zu kurz gesprungen

Zur Vorstellung der Vorschläge der Expertenkommission zur Regulierung von Digitalkonzernen kommentiert Katharina Dröge, Sprecherin für Wettbewerbspolitik

Was Altmaiers Expertenkommission heute vorlegt, wirkt zu klein, angesichts der extremen Marktmacht, die Internetgiganten wie Google, Facebook oder Amazon bereits heute haben. Bei Unternehmen, die so mächtig sind wie Google und Co. kann es nicht mehr darum gehen, das Umkippen eines Marktes ins Monopol zu verhindern, wie die Studie vorschlägt. All diese Unternehmen haben zumindest in Teilmärkten schon Monopole. Altmaier will nur verhindern, dass weitere Unternehmen Monopole erreichen. Für die bestehenden Monopole sucht er keine Antworten. Mit dem Auftrag zur Studie ist der Minister deshalb offensichtlich zu kurz gesprungen.

 

Die Kartellbehörden müssen zudem schneller werden, um mit den Internetgiganten Schritt halten zu können. Dafür brauchen sie eine bessere Ausstattung und deutlich mehr Personal. Darüber hinaus müssen Fusionen rückgängig gemacht werden, um Marktmacht zu begrenzen. Dass die Wettbewerbsbehörden es erlaubt haben, dass Facebook WhatsApp und Instagram kauft, war ein Fehler. Als letztes Mittel müssen Unternehmen, die durch ihre Marktmacht den Wettbewerb erdrücken, entflochten werden.

Schlussendlich ist die Frage, wie man die Infrastruktur des Internets regulieren muss, so groß, dass sie niemand heute abschließend beantworten kann. Wir erwarten von Minister Altmaier allerdings, dass er sich mit diesen Fragen endlich auseinandersetzt.

Tabea Rößner, Sprecherin für Netzpolitik, ergänzt:

Die Bundesregierung ist - trotz großer Ankündigungen - im Bereich des Daten- und Verbraucherschutzes weitgehend untätig geblieben und hat daher zu den mächtigen Positionen von Google & Co. selbst beigetragen. In Zeiten von Big Data und selbstlernenden algorythmischen Entscheidungssystemen ist es für Unternehmen immer wichtiger, große Datenbestände zu generieren. Für einen fairen Wettbewerb ist es deshalb zentral, Daten-Monopole zu verhindern. Die Ankündigung, auch kleineren Konkurrenzunternehmen die Daten der großen Marktbeherrscher zugänglich zu machen, ist zwar interessant. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Bundesregierung hier diesmal wirklich Worten Taten folgen lässt. Im Übrigen bleibt fraglich, wie im Einzelnen dabei die Daten anonymisiert und der Schutz der Verbraucher gewahrt bleiben soll.

Denn wenn wir eins gelernt haben: Wo große Datenmengen hin- und hergeschoben werden, gehen schnell auch mal große Datenmengen verloren. Der Verbraucherschutz muss auch hier daher höchste Priorität haben. Letztlich müssen diese selbst wieder die Hoheit darüber bekommen, welche Informationen an wen sie von sich preisgeben wollen.

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